Geschichten, Miniaturen, Thriller & Lyrik – von Michaela und Günter

Schlagwort: Tiere

Eine Schafherde mit mehreren Schafen, die auf einer grünen Wiese grasen.

Abwesenheit

Es war Herbst geworden in der Prärie.

Die Tipis des kleinen indigenen Volkes waren an diesem dunklen Abend leer – bis auf eines.

Little Fox ging den Weg zum großen Zelt hinauf. Beim Betreten fiel sein Blick zuerst auf das Feuer, das mittig hinter der niedrigen Steinmauer brannte. Langsam fanden die Schatten der Gesichter durch den Rauch den Weg in seine Augenwinkel. Er ließ seinen Blick im Kreis wandern. Alle waren da. Der Stammesrat saß nah am Feuer, und hinter ihnen der Rest des Clans. Der Häuptling trug eine Holzmaske, verbunden mit einem riesigen, bunten Kopfschmuck.

„Irgendwann trage ich auch diese Maske“, dachte Little Fox und setzte sich so nah er konnte hinter ein Mitglied des Stammesrates.

Häuptling Standing Rock hob die Augenbraue, als Little Fox das Ritual störte, machte aber unbeirrt weiter. Langsamen Schrittes ging er im Kreis, das Buch der Vorfahren hochhaltend, und las wortgewaltig daraus vor.

„Die Zeit ist gekommen, es ist der Monat der fallenden Blätter. Wie ihr alle wisst, bedeutet das, dass die Schafe geschlachtet werden müssen, damit wir Fleisch und Felle für den Winter haben.“

Iron Buffalo, der Schamane des Stammes, schüttelte wissend mit dem Säckchen und unterbrach damit die Stille.

„Wie jedes Jahr werden wir auch heute wieder auslosen, wem diese hohe Verantwortung zuteilwerden wird“, sprach der Häuptling weiter.
Jeder wusste, was sich in dem Säckchen befand: Knochen, Steine, Muscheln und kleine Holzstäbchen. Ein Stück des Inhalts wurde jedes Jahr aufs Neue rot eingefärbt, und wer dieses Teil zog, musste die Schafe töten.
So begannen sie reihum zu ziehen. Niemand zeigte, was er hatte – das war Brauch. Erst wenn alle gezogen hatten, würden sie gleichzeitig die Hände öffnen.

Nach einem lauten Schrei von Häuptling Standing Rock öffneten alle gleichzeitig die Hände.
Little Fox, der nicht daran glaubte, dass er den roten Teil ziehen würde, streckte seine Hand siegessicher nach vorne. Was er sah, gefiel ihm gar nicht. Ein Raunen, gefolgt von leisem Getuschel, ging durch das Zelt. Er hatte einen roten Knochen in der Hand – und so war es besiegelt.
Es gab keinen Ausweg für ihn. Er wollte das nicht tun. Er war doch erst dreizehn Jahre alt und hatte keine Erfahrung. Wieso musste es ausgerechnet ihn treffen?

Und so machte er sich widerstrebend auf den Weg ans Ende der Siedlung zur Scheune, wo die Schafe gehalten wurden. Um es hinauszuzögern, ging er langsam und trödelte herum.
Bei der Scheune angekommen, guckte er durch ein kleines Loch in der Wand. Was er sah, war … nichts. Es war stockdunkel. Das kleine Feuer, das eigentlich immer brannte und Licht brachte, war erloschen.
Darüber freute er sich sehr, musste er doch nochmals zurück zum großen Zelt und eine Fackel holen. Vielleicht fiel ihm unterwegs noch eine Ausrede ein.

Im Zelt starrten ihn alle so an, dass er eilig zurückging. Er erklärte, er brauche eine Fackel. Eine Ausrede war ihm nicht eingefallen, und so machte er sich wieder auf den Weg.
Sein Herz pochte bis zum Hals, die Angst wuchs. Er blieb stehen, sprach sich Mut zu, atmete tief ein, öffnete mit zitternder Hand das Tor – und sah … wieder nichts.

Der Stall war leer, kein einziges Schaf war da.
Er ging durch den Stall, leuchtete in jede Ecke. Kein Schaf weit und breit.

Little Fox fragte sich, wo sie wohl alle hingekommen waren.
Dann, in der letzten Ecke, wurde klar, warum: Zwei morsche Planken waren abgebrochen, und es klaffte ein Loch – gerade groß genug, dass die Schafe durchschlüpfen konnten. Sie waren längst über alle Berge.

Tja, was soll ich euch sagen: Es wurde ein seeeehr langer und seeeeehr kalter Winter für das kleine Volk. 
 
 
 

Eine graue Maus mit großen Ohren hält einen Zauberstab in der Hand und hat eine weiche, flauschige Textur.

Trude die Teufelstaube

Da waren die beiden wieder. Diese großen komisch andersaussehenden Lebewesen. Sie betraten den Dachgarten und gingen zielstrebig auf den Taubenschlag zu.
Die Türe geöffnet, holten sie Trude die Teufelstaube heraus.
Sie war ein so prächtiges Tier.
Sie war größer als alle anderen Tauben und hatte schon bei so vielen Veranstaltungen Preise wie keine andere Abgeräumt.
 
Noch immer zuckte sie zusammen, wenn sie die beiden auf sich zukommen sah.
Bedeutete es doch so lange, dass sie aus ihrem zuhause gerissen werden würde und unter Lebenseinsatz den Weg nach Hause finden musste.
Doch das musste sie nun nicht mehr und das seit dem letzten Wettkampf.
 
Teufelstaube, diesen Namen hatte sie sich redlich verdient.
War sie doch die Einzige, die den letzten Flug von Neapel nach Malta mit einem 547,69km langen Flug als überlebende abschließen konnte.
Auf diesem Flug war so viel passiert.
 
Leopold, der sie täglich abends besuchen kam, erzählte sie die ganze verzweifelte Geschichte, in der sie nur mit sehr viel Glück lebend aber ohne Ring wieder nach Hause kam.
 
Da ging es um eine Wasserhose, die sie durch die Luft wirbelte und von ihrem Weg abbrachte. Es kostete sie so viel Kraft in der Mitte dieser Wasserhose nicht nach unten ins Wasser gezogen zu werden. Doch mit letzter Kraft konnte sie sich dann auf der Insel Stromboli niederlassen, vor der sich die Wasserhose auflöste.
 
Auch musste sie durch ein Unwetter mit Hagelkörnern, die auf sie herabprasselten und sie zum Glück nur leicht am rechten Flügel verletzte und sie deswegen eine Zwischenlandung in Kauf nehmen musste.
 
Und dann waren da noch diese komisch aussehenden Lebewesen in Palagonia, die mit Reifen, an denen etwas befestigt war, wie wild unter ihr immer wieder in die Luft sprangen und versuchten, dass Teil über sie zu werfen.
Es war so befremdlich, sah sie das Teil doch schon, bevor es nur in ihre Nähe kam.
 
Der schlimmste und aufregendste Teil der Geschichte war dann aber der Angriff eines Tieres mit 4 Beinen und Fell, als sie sich zum Fressen auf der Nebeninsel von Malta, auf Victoria niedergelassen hatte und sie bei ihrer Flucht durch ein Loch in einer Wand neben sich mit ihrem Ring hängen blieb.
 
Durchs Fressen kurz abgelenkt, sah sie das Tier zu spät auf sich zurasen.
Als sie es bemerkte, reagierte sie blitzschnell und lief durch das Loch in der Wand neben ihr.
Zu ihrem Glück, passte sie genau durch.
Zu ihrem Pech, blieb sie mit ihrem Wettkampfring an einem Nagel hängen.
Sie sah das Tier hinter sich und noch bevor sie reagieren konnte, spürte sie die stechenden Schmerzen in ihrem Bein, als die Zähne des Tieres sich hineinbohrten.
Just in diesem Augenblick rutschte das Bein dann durch den Ring.
 
Sie hatte es geschafft. Sie konnte sich in Sicherheit bringen.
Nur hatte sie dabei den Fuß verloren.
Diesen sah sie noch aus dem Maul des am anderen Ende des Loches stehenden Tieres hängen.
 
Dieses ließ ihn gerade fallen und wollte mit dem Kopf durch das Loch und stieß aus Frust es nicht zu schaffen, einen Laut aus, der mit einem langgezogenem und wütenden „Miiiiii“ begann und mit einem „iiiiiouuuuu“ endete.
 
Schwer verwundet und mit letzter Kraft flog sie noch das letzte kurze Stück nach Hause zu ihrem Taubenschlag.
 
Die beiden großen Lebewesen kümmerten sich danach rührend um sie und versorgten sie mit allem wichtigen und so erholte sie sich bald von den Strapazen.
 
Leopold saß wie immer angewurzelt da und lauschte Trude gespannt, ja regungslos, wenn sie erzählte.
Er flog förmlich jedes einzelne mal mit Trude durch die Lüfte. Spürte den Wind, der ihm um die Nase wehte, den Regen auf sich einprasseln, so als wäre er dabei.
Nach diesen Erzählungen dachte er sich jedes Mal: „Wenn ich groß bin, ja, wenn ich richtig groß bin, werde ich auch um die Welt fliegen und viele Geschichten weitererzählen.
 
Mutter Maus mochte diese Zusammentreffen der beiden nicht, auch wenn sie Leopolds Fantasie sehr anregten, was ja an sich gut war.
Dumm war jedoch nur, dass sie noch nicht wusste, wie sie ihrem jüngsten Sprössling beibringen sollte, dass das wohl niemals passieren wird.

Mit anderen Augen

Ameisenbär

Thema: Mit anderen Augen

Ich wache auf und stelle fest, dass ich Hunger habe. Ich ziehe los und suche den nächstbesten Ameisenhügel auf. Sofort strecke ich meine hungrige und sich an dem Geschmack der Ameisen labend wollende lange Zunge nach der Beute aus.
 
Ich treffe ins Nichts.
„Das gibt’s doch nicht, das kann doch nicht sein!“, denke ich und beginne sofort damit, die Zunge wieder auszustrecken.
„Zack!“, wieder keine Ameise erwischt.
„Ja, verflixt nochmal das glaub ich nicht“, denke ich und starte den nächsten Versuch. Wieder – Nichts!
 
Bis ich endlich einen Schritt zurückgehe und mir den Ameisenbau genauer ansehe.
„Verdammt, sind die Biester einfach weitergezogen“.
Aber naja, ich hab Zeit und sonst nichts zu tun.
Ich werde euch finden!


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Autobahn - WASSERZEICHEN Michaela

Autobahn

Die Autobahn durchschnitt das kleine Dörfchen „Murmelschneck“.
 
Alle hassten den Namen und das ließ sich schon am Ortsschild klar erkennen.
Es war an allen möglichen Stellen angenagt und der Rest von Schleim überzogen.
 
Seit Jahren gab es immer wieder den Versuch den Teil „Schneck“ aus dem Wort streichen lassen.
Die Murmeltiere, die auf der einen Seite des Dorfes lebten, hassten die Schnecken aus tiefstem Herzen. Die Schnecken dagegen verstanden die ganze Aufregung überhaupt nicht.
 
Immer wieder wurden sie zur gemeinsamen Bezirkssitzung eingeladen. Immer wieder machten sie sich auf den Weg zum Bezirksamt um Schlussendlich festzustellen, dass niemand da war.
So krochen sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause.
 
Gleichzeitig rannten die, wie immer durchgeplanten und durchgetakteten Murmeltiere wie wild umher und konnten nicht verstehen, warum die Schnecken niemals zu den vereinbarten Terminen anwesend waren.
Dabei lag die Lösung doch so klar auf der Hand.
 
Durch den vielen Stress kam bei den Murmeltieren niemand auf die Idee, den Schnecken mehr Zeit einzuräumen.
 
Und so wird sich das wohl auch nicht so schnell ändern.









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2021 11 12 - Ablauf nach Walt Disney Schreibworkshop Seiwald WASSERZEICHEN Michaela

Ablauf nach Walt Disney

Es war einmal ein Eichhörnchen.

Jeden Tag zog es los um seine vergrabenen Nüsse zu suchen.

Eines Tages musste es feststellen, dass jemand all seine Verstecke gefunden und alle Nüsse gestohlen hatte.

Und so kam es, dass es viel weiter aus seinem angestammten Revier musste, als sie es jemals gewagt hätte.
Schließlich hatte sie noch die Jungen zu versorgen.
Zum Glück nicht mehr lange, denn sie waren fast schon so weit in die Wildnis entlassen zu werden.

Und so kam es, dass sie bei ihrer Suche unweigerlich auf eine Spur von Nüssen stieß, die jemand für sie ausgelegt hatte.
Nichtsahnend und freudig über den perfekten Fund , stopfte sie sich die Backen bis zum Rand voll.
Na da werden sich die kleinen aber freuen, dachte sie sich.

Bis endlich die Spur zu ende war stand sie vor ihrem Nest, wo die Jungen lachten, weil sie es waren, die die Nüsse ausgegraben hatten um ihre Mutter zu überraschen.


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2021 05 23 -Die Elfe- Michaela WASSERZEICHEN

Die Elfe

Aufgeregt flog die Elfe durch den Wald.
Eifrig suchte sie die Bewohner, um ihnen die große Neuigkeit zu erzählen.
Sie traf auf die Frösche beim kleinen Teich.
Hibbelig rief sie ihnen zu: “Los los, macht euch auf den Weg.“
Sofort quakte der größte aller Frösche die anderen zusammen und sie zogen in Reih und Glied los.
                                                                                           
Und weiter ging der Rundflug.                              
 
Dann kamen ihr die Rehe und Hirsche entgegen.
Ruhig grasend standen sie da, bis die kleine Elfe die frohe Botschaft wieder verbreitete.
 Auf der Stelle hüpften und sprangen alle in die Richtung zur Lichtung.
 
Auf ihrem Weg traf sie noch Insekten, Eulen, Eichhörnchen, Vögel, Fische und sonstige Tiere des Waldes.
 
Allen erzählte sie total aufgeregt, dass es nun so weit sei, und sich alle zur Lichtung begeben sollten.
 
Vorbei war es mit der Stille im Wald.
 Alles, was fliegen, schwimmen, kriechen oder sich sonst irgendwie fortbewegen konnte machte sich freudig und erwartungsvoll auf den Weg.

Wenig später waren sie alle auf der Lichtung versammelt.

Es war das reinste Gewusel.

Alle drängten und schubsten, stießen und kletterten übereinander, nur um einen Blick von dem zu erhaschen was gerade geschah.

Alle waren überwältigt, manche weinten vor Freude.
Andere hüpften und sprangen oder jauchzten, nachdem sie es gesehen hatten.

Niemand von ihnen hatte je etwas schöneres in ihrem Leben gesehen.
Viele dachten sich, das gibt wieder Gesprächsstoff für die nächsten Jahre.


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2021 04 18 -Mauseloch- Michaela WASSERZEICHEN

Mauseloch

Das Mauseloch sieht verlassen und einsam aus.
Doch der Schein trügt.
Sieht man genauer hin und folgt dem Gang ins Innere tiefer in den Bau, findet man dort eine kleine Mäusedame.
 
Sie ist eifrig zugange, ihren Bau für die große Herde bereit zu machen.
 
Emsig sammelt sie Nüsse und Samen für den langen Winter.
Sie trägt eifrig Blätter und sonstiges Laub zusammen und richtet so das wohlige Heim für den kommenden Winter her.
 
Es muss für alle reichen, vom Platz bis zum Futter.
 
Da, sie hört sie herannahmen.
Für den Mensch nicht hörbar, hört sie das Fiepen der kleinen Racker schon von weitem.
 
Ja, es reicht für alle und sie lässt noch einmal ihren Blick durch den Bau schweifen und stellt zufrieden fest:“ Ja, kommt nur meine lieben, ich habe alles für euch vorbereitet.“
 
Und dann treffen sie mit lautem Quieken ein.


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2020 07 19 Korallenriff Günter WASSERZEICHEN

Korallenriff

Die Welle prescht mit voller Wucht gegen das Korallenriff.
 
Die Fische treiben dabei wie im Einklang einer Symphonie, mit hin und her.
 
Die Koralle öffnet und lässt ihre Samen frei.
 
Millionen von ihnen schweben im Rhythmus
des Wassers auf der Suche nach Halt.
 
Kaum den Platz gefunden,
krallen sie sich fest und beginnen neu zu wachsen.
 
Wachsen, wachsen und vermehren,
ist das einzige und wichtigste Ziel in ihrem Dasein.

 
Und so entsteht ein neues Korallenriff.


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-Wasserläufer- MICHAELA Wasserzeichen

Wasserläufer

Ich schließe meine Augen.

Ich bewege mich leise durch den Wald.
Alles ist ruhig und das Rascheln der Blätter, die sich im sanften Wind bewegen, bringen den Geist zur Ruhe.
Ich atme den herrlichen Duft des Waldes in langen Atemzügen in mich ein.

Während ich dahin schlendere, streichen meine Hände über weiches und sanftes Grün verschiedener Sträucher und Bäume.
Mal kitzelt es, mal sticht es ein wenig.
Vor mir erhebt sich eine kleine Lichtung.
Vorsichtig bewege ich mich auf sie zu.
Oben angekommen blicke ich auf einen kleinen Teich.

Ruhig und lautlos liegt er vor mir.
Auf ihm spiegeln sich die Bäume.
Kleine Wasserkreise, die durch das Luft schnappen der Fische entstehen, verlaufen sich zum Rand des Teiches.
Ich lasse mich auf einem abgeschnittenen Baumstumpf nieder um die Ruhe und die Kraft, die dieser Ort ausstrahlt in mich aufzusaugen.
Der erdige Duft steigt mir in die Nase und bringt noch mehr Entspannung mit sich.

Meditativ haftet mein Blick auf dem Teich und alles um mich herum verschwimmt.

Plötzlich zischt ein Wasserläufer durch mein Sichtfeld und weckt mich wieder auf.


Originalhandschrift
Murmeltier

Murmeltier

Klein und wachsam,
wendig und schnell.

Loki kam aus seinem Bau, stellte sich auf die Hinterbeine und kniff die Augen zusammen.

Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel.

Loki drehte den Kopf nach links,
wartete,


drehte den Kopf nach rechts,
wartete.


Nichts geschah.

Loki drehte um, ging langsam in seinen Bau zurück, rollte sich zusammen und schlief weiter.






Originalhandschrift

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