Selfpublishing beginnt oft mit einem Versprechen: Freiheit.
Ich entscheide, wann ein Text fertig ist, wie er erscheint, welchen Preis er trägt. Keine Abstimmungsschleifen, keine Fremdlogik, keine Kompromisse, die nicht meine sind. Dieses Licht ist real. Es ist der Grund, warum ich diesen Weg gehe.

Aber diese Freiheit hat einen Schatten, der sich erst zeigt, wenn man beginnt, Verantwortung ernst zu nehmen.

Denn Selfpublishing heißt nicht nur, Bücher zu schreiben. Es heißt auch, mit Systemen zu arbeiten, die nicht für Autoren gebaut wurden, sondern für Skalierung, Automatisierung und Risikovermeidung. Plattformen reagieren nicht auf Intentionen, sondern auf Zustände. Sie verstehen nicht, warum etwas geändert wird – nur, dass sich etwas geändert hat.

Besonders deutlich wird das bei Preis- und Metadatenänderungen im Kindle-Shop. Was auf Autorenseite wie eine kleine Korrektur wirkt – ein beendeter Rabatt, eine angepasste Beschreibung – kann auf Plattformseite einen fragilen Übergang darstellen. Preisaktionen sind dort keine einfachen Zahlen, sondern Ereignisse mit Kontext, Laufzeit und impliziten Annahmen. Wird dieser Kontext nicht explizit geliefert, kann ein System stehen bleiben, ohne zu „scheitern“. Alles ist korrekt hinterlegt – und dennoch falsch sichtbar.

Das Beunruhigende daran ist nicht der konkrete Fehler.
Es ist die Erkenntnis, wie wenig vorhersagbar solche Übergänge sind.

Als Autor habe ich die Verantwortung, Entscheidungen zu treffen, trage aber nicht immer die Möglichkeit, sie unmittelbar zu korrigieren. Ich sehe den Schatten der Autonomie: Ich bin zuständig, ohne durchgreifen zu können. Abhängig von Distributoren, von Händlerlogiken, von Prozessen, die sich meiner Kontrolle entziehen.

Und doch liegt genau hier eine zweite, stillere Form von Licht.

Denn diese Erfahrungen schärfen den Blick. Sie verändern den Umgang mit Entscheidungen. Preisaktionen werden zu strategischen Ereignissen, nicht zu spontanen Experimenten. Metadaten werden früh festgelegt, nicht im laufenden Betrieb optimiert. Stabilität wird wichtiger als Beweglichkeit. Nicht aus Angst – sondern aus Verständnis.

Selfpublishing bedeutet nicht, alles selbst zu machen.
Es bedeutet, die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu tragen – auch dort, wo Systeme träge, untransparent oder unnachgiebig sind.

Das Licht liegt in der Freiheit, ein Werk nach eigenen Maßstäben zu veröffentlichen.
Der Schatten darin, zu akzeptieren, dass diese Freiheit an Systemgrenzen endet.

Vielleicht ist genau diese Spannung das eigentliche Wesen des Selfpublishings:
Nicht die Abwesenheit von Grenzen – sondern das bewusste Leben mit ihnen.